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Update – Gedanken zur Lage

Lange hatte ich keine Lust mehr zu schreiben, – irgendwie hat die Krise meine Gedanken blockiert, mich gestresst und ratlos gemacht!

Auch jetzt noch bin ich weit davon entfernt, eine gefestigte eigene Meinung von der Lage zu haben.

Ich bin in einem Arzthaushalt aufgewachsen,  – was Hygiene bedeutet und der Umgang mit Desinfektionsmitteln sind mir seit frühester Kindheit vertraut. Dieser Umstand hat sich nicht immer positiv ausgewirkt, vor allem nicht auf mein Immunsystem, das zwar vor vielen leichten Infektionen geschützt wurde, dafür aber Allergien in großer Zahl produziert hat. Ich musste im Lauf meines Lebens einsehen, dass es durchaus auch ein Zuviel an Hygiene geben kann (vor allem im heimischen Haushalt)!

Mittlerweile habe ich selbst eine Praxis und es wird hierbei von den Gesundheitsämtern durchaus zu Recht darauf geachtet, dass peinlich genau standardisierte Hygiene-Maßnahmen eingehalten werden. Sicherlich möchte kein Praxisbetreiber an einer Infektion eines seiner Patienten Schuld sein.

Das bedeutet: ich bin zwar kein Infektiologe, aber was Hygiene betrifft, habe ich ein solides Grundwissen (nicht erst seit dem Corona-Ausbruch).

Das bedeutet auch, was den Praxisbetrieb betrifft musste nicht viel geändert werden um alle Pandemie-Auflagen einzuhalten. Wir klären normalerweise vorher ab, warum ein Patient unsere Hilfe sucht und ob er eine akute Infektion hat (von denen Heilpraktiker ohnehin viele nicht behandeln dürfen). Die Patienten müssen in der Regel nicht warten, da auch Notfälle sich vorher ankündigen sollten. Es gibt einen Hygieneplan, der vorsieht, was, wann, wie und wie oft desinfiziert werden muss. Es werden überwiegend sterile Einmalprodukte verwendet (z.B. Akupunkturnadeln). Nur einen Mundschutz tragen wir erst seit neuestem.

Uns wurde gesagt, wir müssen die Risikogruppen vor einer Ansteckung schützen. Das mache ich natürlich gerne. Auch ich habe Angehörige aus der Risikogruppe, viele Patienten von uns gehören ebenfalls dazu. Das ist der Grund warum ich mich an alle Auflagen halte, – um andere zu schützen! Das sollten doch schon Respekt und Höflichkeit gebieten. Gleichzeitig irritiert es mich schon, wenn gerade einige ältere Menschen was den Schutz betrifft, sehr uneinsichtig sind (vielfach zu beobachten bei jedem Einkauf). Es macht mich traurig, wenn die, für die man das alles auf sich genommen hat, durch ihr Verhalten das Ganze ad absurdum führen.

Und ich empfinde die Einschränkungen schon als Belastung:

Gemäß den Empfehlungen, das Haus möglichst wenig zu verlassen, sind ab Ende März zunächst keine Patienten mehr in die Praxis gekommen. Zeitweise weiß man da als Selbständige nicht, wovon man die laufenden Kosten zahlen soll. Gar nicht reden will ich davon, dass mein gesamtes Freizeit-Leben auf den Kopf gestellt wurde (kein Theater, kein Chor, kein Schwimmen, keine Radtouren im Freundeskreis etc.) oder davon, dass Scharen von Nachbarskindern, die keine Schule hatten, in den Wohnungen gelärmt hatten (die Familien tun mir am meisten sehr leid).

Auch die Stimmung insgesamt empfinde ich als Belastung: die Polarisierung in den Medien und vor allem in den sozialen Netzwerken, in denen man mit Beiträgen vor allem gegen das Krisenmanagement der Regierung überschüttet wird, und bei denen man auf den ersten Blick nur schwer erkennen kann, was seriös ist und was in die Kategorie Verschwörungstheorie fällt.
Herrjeh, ich mag Herrn Spahn auch nicht, der will den Heilpraktiker-Beruf abschaffen, aber in das RKI hatte ich bisher großes Vertrauen, das sind doch keine opportunistischen Politiker, die wiedergewählt werden wollen, sondern Wissenschaftler, die versuchen uns vor Krankheitsgefahren zu schützen. Dass sie da bei einem neuen Virus auch mal Fehler machen, die sie bei verbesserter Datenlage revidieren, ist ganz normale wissenschaftliche Vorgehensweise. Hinterher ist man immer schlauer!

Und: selbstverständlich beunruhigt mich, dass der eine oder andere Politiker die Lage anscheinend dazu ausnutzen möchte, unsere Grundrechte auszuhöhlen, insbesondere was die staatliche Überwachung angeht. Die App lehne ich persönlich ab, schon deshalb, weil ich zu der allgegenwärtigen Belastung durch Handyfunk, 5G und bald überall verfügbares WLAN nicht auch noch ständig Bluetooth ausgesetzt werden möchte. Jedoch finde ich es schon haarsträubend, wenn vehemente Gegner staatlicher Überwachung gleichzeitig freiwillig einer Firma wie Facebook über das permanente Liken und Teilen von Beiträgen ihr ganzes Leben und Denken überlassen.

Ich habe eigentlich keine Angst, mich selbst anzustecken. Aber die Ungewissheit, was da noch auf uns zukommt, falls es eine zweite Welle gibt oder demnächst ein neues Virus eine Pandemie auslöst, stresst mich.

Ich finde, all dieser Aktionismus ist nur sehr kurzfristig eine Lösung. Vielleicht sollte man mal über das große Ganze nachdenken. Es gibt zahlreiche Faktoren, die das Auftreten neuer Pandemien begünstigen:

  • Allen voran der Klimawandel, tropische Krankheiten, die uns in den reichen Ländern bisher nicht interessiert haben, breiten sich dadurch nach Norden aus; Klimawandel bedingte Migrationsbewegungen schleppen auch Krankheiten mit, vor allem wenn die Flüchtlinge in hygienisch völlig unzureichende Lager gesperrt werden.
  • Die hohe Bevölkerungsdichte in Ballungszentren begünstigt die Ausbreitung von Krankheiten. Mega-Cities auf der ganzen Erde wachsen unaufhaltsam.
  • Die Globalisierung muss wohl nicht weiter erläutert werden.
  • Unser Fleischkonsum und die damit verbundene Massentierhaltung sind der Hauptschuldige bei der immer stärker werdenden Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen. Gnade uns Gott, wenn wir keine wirksamen Antibiotika mehr zur Verfügung haben!

Soviel mal zum Nachdenken, ob wir nicht andere Sorgen haben, als wirre Verschwörungstheorien oder Panik vor einem einzigen Virus.

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